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Abkehr vom nationalstaatlichen Chauvinismus und Bewußtsein einer Wertegemeinschaft

(Auf dem Weg von der "Entdeckung Europas durch die Europäer" zu den "Vereinigten Staaten von Europa")

 

Zahlreiche Europäer mißdeuteten in der Vergangenheit unseren Heimatkontinent als Quelle und Motor der weltweit wichtigsten geistigen Entwicklungen und als Wiege einer überlegenen Kultur.

Große Erfindungen der letzten 500 Jahre in europäischen Staaten werden aus einem solchen Blickwinkel hier und da wie entscheidende Beiträge Europas zur Entwicklung der Menschheit vor dem Hintergrund der Umrisse Europas dargestellt, so als ob ein europäisches Zusammengehörigkeitsgefühl die Triebfeder für diese außerordentlichen Leistungen gewesen sei.

Von außen werden die Bewohner europäischer Staaten dagegen über viele Jahrhunderte oft als Aggressoren und außerordentlich brutale Okkupatoren erlebt, die “christliche Nächstenliebe” vor allem mit dem Schwert verbreiten und viele ihrer berühmten Kulturschätze aus Raubgold geschmiedet haben.

Aber auch gegenüber den innereuropäischen Nachbarn haben die jeweils dominierenden Staaten zu vielen Zeiten die schaurigsten Greueltaten verübt.

So war z. B. der irreführend als notwendige Abwehrschlacht gegen den Kommunismus ausgegebene Zweite Weltkrieg unter anderem ein Vernichtungskrieg Deutschlands gegen seine Nachbarn, in den der rassistische Mord an großen Teilen der eigenen Bevölkerung integriert wurde.

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Abb. 5: Sonderstempel vom 25.11.1941 mit der Karte von Europa und der Umschrift “Europas Einheitsfront gegen den Bolschewismus”.

Dabei bestand die angesprochene “Einheitsfront” vorwiegend aus den beiden faschistischen “Achsenmächten” Italien und Deutschland, und lange vor dem Überfall auf die Sowjetunion richtete sich die “Einheitsfront” bereits gegen die Reformkräfte in Spanien und gegen zahlreiche Bevölkerungsgruppen in den eigenen Ländern.

Trotzdem gab es auch zum Zeitpunkt dieses tiefen Falles in die Barbarei Ansätze und Initiativen zu europäischer Zusammenarbeit, so z.B. 1942 in Wien auf dem Europäischen Postkongreß und zum gleichen Zeitpunkt, ebenfalls in Wien, die Gründung eines europäischen Jugendverbandes.

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Abb. 6: Sondermarken des Deutschen Reiches von 1942 mit und ohne Aufdruck (MiNrn 820 und 823).

Die Aufdruckmarke erschien anläßlich der Unterzeichnung eines Übereinkommens über den europäischen Post- und Fernmeldeverein. Zu diesem Zeitpunkt hielt Deutschland weite Teile Europas besetzt, so dass davon auszugehen ist, dass das Zustandekommen der Konferenz, genau so wie die dort erzielten Übereinkünfte, eher Diktate nationalsozialistischer Interessen sind.

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Abb. 7: Sonderpostkarte von 1942 (Mi P 309) anläßlich der Gründung eines europäischen Jugendverbandes in Wien 1942, wobei in der Zeichnung die Europakarte aus einem Geflecht von Baumwurzeln gebildet wird.

Die Verbindung zwischen dem Zusammenbruch der verbrecherischen Machtsysteme in Italien und Deutschland und dem Aufbau eins friedlichen Europa wird auf einer irischen Marke zum 50. Jahrestag des Endes vom 2. Weltkrieg hergestellt.

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Abb. 8: Sondermarke Irlands (Mi 907) aus dem Jahr 1995. In Oesterreich wurde anläßlich einer antifaschistischen Ausstellung im Jahr 1946 ein Satz Briefmarken ausgegeben, von dem hier die “Reinigung Europas vom Faschismus” anhand einer Europakarte, eines Besens und des Hakenkreuzes gezeigt wird (Mi 777).

Die Lehren aus diesem in die Apokalypse führenden Weg nationalistischer Staatsperversion wurden nicht überall gleichzeitig, aber in einigen wichtigen europäischen Ländern gründlich gezogen, und sie gaben dem Streben nach einem gemeinsam handelnden Kontinent mächtige Auftriebe.

Das Entwickeln von politischen Leitbildern, Ordnungsvorstellungen und Entwürfen, die darauf gerichtet sind, die nationalstaatliche Zersplitterung Europas als Quelle kriegerischer Konflikte und weltpolitischer Schwäche zu überwinden und damit eine Neuordnung dieses Kontinents herbeizuführen, erhielt seine entscheidenden Impulse nach dem katastrophalen 2. Weltkrieg. In den Mittelpunkt wurden jetzt Zielvorstellungen wie die Sicherung der Menschenrechte und der internationale Frieden gestellt.

Von Anfang an standen sich dabei zwei Grundideen gegenüber. Die “Föderalisten” wollten eine Integration der europäischen Staaten bei gleichzeitiger Aufgabe von Souveränitätsrechten der Teilstaaten zugunsten von staatsübergreifenden Einrichtungen und Vorschriften. Die “Unionisten” vertraten einen europäischen Staatenbund, in dem die Einzelstaaten ihre Souveränitätsrechte weitgehend behalten sollten.

Nach Churchills Anregungen von 1946 sollte ein europäischer Zusammenschluß unter der Führung von Frankreich und Deutschland entstehen, dem sich Großbritannien allerdings nicht angliedern wollte. Der “Internationale Koordinierungsausschuß der Bewegungen für die Einheit Europas” von 1947 berief 1948 in Den Haag eine Konferenz ein, bei der eine Einigung im Sinne der “Unionisten” zustande kam. Ein Ergebnis der Konferenz war die Institutionalisierung der “Europäischen Bewegung”, aus der 1949 der Europarat mit zunächst 10 Mitgliedsstaaten hervorging. Die “Europäische Bewegung” (“Action Europeénne”) trat für das Fernziel der “Vereinigten Staaten von Europa” ein. 1950 wurde im Europarat die “Europäische Menschenrechtskonvention” geschaffen. An Mitgliedern ist der Europarat bis zum Jahr 1994 bereits auf 39 Staaten angewachsen.

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Abb. 9: Die Saar feiert 1950 ihre Aufnahme in den Europarat mit zwei Marken mit angedeutetem Kartenbild von Europa (hier: Mi 298). Im belgischen Sclessin gibt es 1978 einen Sonderstempel, mit dem auf die “Europäische Bewegung” (Action Europeénne) hingewiesen wird.

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Abb. 10: Aus dem gleichen Anlaß erschien in Belgien 1978 ein vierwertiger Markensatz mit Hinweis auf die “Action Europeénne”. Die Marke zu 10 Fr. (Mi 1936) zeigt eine Karte mit den damaligen Mitgliedern des Europarates. Eine Marke zu 14 Fr. (Mi 1938) zu Ehren des Politikers P. H. Spaak, zeigt die Karte der früheren Mitgliedstaaten der EG. Die gleiche Karte wird auf einer weiteren Marke zu 14 Fr. (Mi 1939) zur Erinnerung an den 20. Jahrestag der “Verträge von Rom” gezeigt. Bei der Begehung dieses Jubiläums lag allerdings Luxemburg richtig, das aus dem gleichen Anlaß bereits 1977 eine Gedenkmarke mit der Karte der Mitgliedsstaaten ausgegeben hatte (Mi 956).

Den europäischen Staaten fehlte jedoch durch die Katastrophe des 2. Weltkriegs die wirtschaftliche Kraft, die Einigung mit Macht voranzutreiben. Insofern ist die amerikanische Wirtschaftshilfe, die sich vor allem in dem Wiederaufbau-Förderprogramm des “Marshall-Plans” von 1947 niederschlug, als eine wesentliche Quelle der heute bevorstehenden europäischen Einheit zu bezeichnen. Damals hatten die Ostblockländer eine entsprechende Zusammenarbeit und Wiederaufbauhilfe abgelehnt.

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Abb. 11: Ganzsachenpostkarte aus Westberlin von 1951 mit Sonderwertstempel “Freiheitsglocke” (Mi P25) und Sonderstempel anläßlich der Anwesenheit des Europazuges in Westberlin. Der Sonderzug war eine rollende Werbekampagne für den Wiederaufbau Europas aus Mitteln des ERP (European Recovery Programm), das aus den Marshallplan-Mitteln finanziert wurde. Die Niederlande geben 1997 zum 50jährigen Jubiläum des Marshall-Planes ein Zusammendruck-Paar (Mi 1620/21) heraus.

Im Unterschied zu einem vorhergehenden “Marshall-Plan-Zug”, der in den Jahren 1950/51 in 71 Städten nur der Bundesrepublik zu sehen war, stellte der “Europa-Zug” eine europäische Gemeinschaftsarbeit dar, unter dem Motto “Zusammenarbeit der freien Völker”. Er fuhr durch zahlreiche europäische Länder. Genaueres hierzu findet man anläßlich des 40. Jahrestages in dem Aufsatz (ohne Verfasser) “Der Europa-Zug” (in “Europapost”, 1987, S. 1304).

Auf einer Entwicklungsschiene neben dem “Europarat” schlossen sich 1951 Frankreich, Italien, die BeNeLux-Staaten und Deutschland zur Kerngemeinschaft einer supranationalen europäischen Integration zusammen, als sie nach dem von Jean Monnet ausgearbeiteten Plan des französischen Außenministers Robert Schuman ihre nationalen Montan-Industrien der gemeinsamen Kontrolle der von ihnen gegründeten “Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl” (EGKS) unterstellten.

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Abb. 12: Ersttagsbrief aus Luxemburg von 1960 mit der Sondermarke zum 10. Jahrestag des Schumann-Planes. Marke und Sonderstempel zeigen den Umriß des Europa der sechs Gründungsstaaten der EGKS.

1952 folgte zwischen diesen Staaten als Keimzelle der heutigen Europäischen Union (EU) der Vertrag zur “Europäischen Verteidigungsgemeinschaft” (EVG), der jedoch von den Einzelstaaten nicht ratifiziert worden ist, so daß auch die danach vorgesehene “Europäische Politische Gemeinschaft” (EPG) nicht verwirklicht werden konnte.

Als Ersatzlösung wurde die “Westeuropäische Union” gegründet, in deren Rahmen auf einem der Höhepunkte des “Kalten Krieges” zwischen den sozialistischen und den kapitalistischen Ländern die Bundesrepublik in die NATO aufgenommen wurde.

Erst 1957 wurden durch die Römischen Verträge für eine “Europäische Wirtschaftsgemeinschaft” und eine “Europäische Atomgemeinschaft” die Einigungsbestrebungen auf eine Ebene gebracht, auf der 1968 die Zollunion möglich wurde und in deren weiterem Verlauf die Wirtschafts- und Währungsunion erreicht werden sollte. Durch das Einleiten dieses Prozesses war 1973 der Weg für den Beitritt Großbritanniens, Dänemarks und Irlands geebnet.

Danach kam es zwischen den Zielen der “Vertiefung” und der “Erweiterung” der Gemeinschaft verstärkt zu Spannungen, die auch heute keineswegs überwunden sind und die im Zusammenhang mit dem Beitrittsantrag der Türkei verstärkt diskutiert werden.

 

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aktualisiert am: 17.02.2015