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Die Entdeckung Europas durch die Europäer

 
 
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Auf dem Weg von der
"Entdeckung Europas durch die Europäer"
zu den
"Vereinigten Staaten von Europa"

Der kartografische Kontinent-Umriß wird zum postalisch gebrauchten Werbesymbol für die Europaidee

Dieser Artikel wurde veröffentlicht im Katalog zur
Briefmarken-Wettbewerbsausstellung

im Rang 2 der Philatelistenverbände
Berlin und Brandenburg

Partner in Europa
vom 29. April bis 1. Mai 2005

1. Vorbemerkungen

Am Beginn des dritten Jahrtausends geht Europa mit raumgreifenden Schritten und deutlich erweitertem Kreis von Mitgliedern auf seinem Einigungsweg voran. Das Jahr 2002 brachte für den größten Teil der bisherigen Vertragsstaaten die Währungsunion, also die einheitliche Euro-Währung. Durch die „Ost-Erweiterung“ um 10 Länder, die vorher zum Ostblock gehörten, hat sich die Zahl der Mitgliedstaaten am 1.5.04 auf 25 mit einer Bevölkerungszahl von fast 500 Millionen Menschen erhöht.

Für Philatelisten ergeben sich durch den Einigungsprozeß mannigfaltige Anlässe und Möglichkeiten zu Spezialsammlungen und Dokumentationen. Auch mein zentrales Sammelthema Kartografie wird davon berührt, wenn auch der Spezialist darin möglicherweise nicht so viel kartografisch Interessantes entdecken wird, wie er hoffen mag.

In dieser Studie will ich vor allem zeigen, wie auf den verschiedenen Stationen der europäischen Entwicklung bereits von Anfang an der Karten-Umriß Europas als Quasi-Logo, als Blickfang oder als Wiedererkennungshilfe im postalischen Gebrauch eingesetzt worden ist.

Leider hat die recht häufige Verwendung dieses Einigungs-Symbols das Zusammengehörigkeitsgefühl doch noch nicht in dem Maße herbeizuführen vermocht, dass von einem verbreiteten europäischen Bewußtsein gesprochen werden könnte, wie die noch viel zu oft vorkommenden Ausbrüche von Fremdenfeindlichkeit beweisen.

In den philatelistisch verwendeten Umriß-Darstellungen tauchen die überseeischen Provinzen von EU-Staaten, die gemäß Artikel 127 des EG-Vertrages als Teile ihrer Mutterländer gelten, und für die damit die europäischen Verträge unmittelbar gültig sind, weit überwiegend grafisch nicht auf. Das trifft z.B. zu für Madeira und die Azoren (portugiesisch), für die Kanarischen Inseln, Ceuta und Melilla in Afrika (spanisch), Guadeloupe, Martinique, Réunion und St. Pierre et Miquelon usw. (französisch/ siehe zum Status dieser Gebiete detaillierter V.F. Woesner im Rundschreiben der Arge “Landkarten - Vermessung - Entdeckungsgeschichte der Erde”, Nr. 94, Heft 2/1998, S. 33 - 35 und im Rundschreiben 95, Heft 3/1998, S. 69/70).

 

2. Frühe Vorgeschichte der Entstehung Europas

Zahlreiche Hebungen und Senkungen des Meeresspiegels ebenso wie von Teilen der europäischen Kontinental-Scholle, zum Beispiel hervorgerufen durch das Gewicht des auflastenden Eises während der Eiszeiten oder durch die Entlastung nach dem Abtauen, haben die Umrisse des Erdteils Europa in prähistorischer Zeit laufend verändert. Wann die gegenwärtige Form Europas erdgeschichtlich entstanden sind, liegt im Ungewissen. Am Ende der Kreidezeit, also vor rund 65 Mio Jahren, könnte die eurasische Platte mit der nordamerikanischen noch eine zusammenhängende Scholle gewesen sein, die sich erst danach teilte. In seinen geologischen Arbeiten nimmt der Oesterreicher E. Suess als Leitlinien des Entstehungsprozesses für das komplizierte europäische Mosaik aus älteren und jüngeren Krustenblöcken die nachstehende Reihenfolge an: 1.) die Bildung der Kaledonischen Gebirge (z.B. Norwegen und England), 2.) die Entstehung der Variskischen Gebirge (Teile von Spanien und Frankreich) und 3.) das Aufwerfen der Alpinen Gebirge (z.B. Pyrenäen, Alpen, Apenninen und Karpaten).

Originalfoto hier demnächst

Abb. 1: Die Marke aus Oesterreich (Mi 1951) sowie der Ersttagsstempel zeigen die Suess’schen “Geologischen Leitlinien” anhand der Europakarte. Die Randbedruckung des Kleinbogens (für Mi 278) von Jersey schildert eine Ursache des Zusammenhanges von Meeresspiegelanstieg und Kontinentform.

Europa als zusammengehöriger Raum mit einem benennbaren geschichtlich-kulturellen Gepräge und als sprachlicher Begriff ist ebenfalls älter als man vermuten möchte. Die Herkunft des Begriffes ist nicht zweifelsfrei geklärt. Es wird ein griechisch-semitischer Ursprung angenommen, mit dem zunächst nur das mittlere Griechenland, aber bei Hekataios von Milet bereits im 6. Jh. vor Christus derjenige Teil der Erde bezeichnet wird, “der nicht Asien ist”. Bei Herodot findet sich dann schon eine dreiteilige Vorstellung der Erde, die Asien, Europa und Libyen (= Afrika) umfaßt.

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Abb. 2: Wertzeicheneindruck und Sonderstempel zeigen (noch ca. 1480) eine Weltvorstellung, die nur die drei genannten Erdteile kennt. Ganzsache des Vatican-Staates von 1991 mit einer Karte des Niccolo Germanico

Dabei war die Kenntnis des Erdteils Europa (aber auch der Erdteile Asien und Afrika!), die Herodot besaß, noch sehr begrenzt. Sie beschränkte sich vorwiegend auf den Mittelmeerraum mit etwa den drei europäischen Halbinseln: Spanien, Italien und Griechenland, sowie mit der gallischen Mittelmeerküste und der europäischen Schwarzmeerküste.

Erst nach der Nordfahrt des Pytheas von Massalia im 3. Jh. vor Chr. und durch die Arbeiten des Eratosthenes von Kyrene etwa zur gleichen Zeit, scheinen einige der nördlichen Teile Europas in das damalige Weltbild einbezogen worden zu sein.

Sowohl die asiatischen “Weltherrschafts”-Versuche von Daraios I. und Xerxes I., wie auch das Reich Alexanders des Großen und später das Römische Reich, umfaßten neben Europa auch Teile Asiens und Afrikas und können daher nicht ohne weiteres als Stationen einer europäischen Bewußtseinsbildung gelten, wenn auch der Begriff “Europa” in dieser Zeit schon hier und da verwendet wurde.

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Abb. 3: Das Römische Reich unter Augustus (ca. 50 v. Chr.), wie es auf der italienischen Luftpostmarke von 1937 (Mi 589) dargestellt ist, läßt deutlich die europäischen Teile des Reiches westlich und südlich des Limes, aber auch die Teile Nordafrikas und Vorderasiens erkennen. Noch deutlicher ist das auf der Bildganzsache der Bundesrepublik von 1966 (Mi P91) zu sehen.

Nach Ansicht der “Brockhaus Enzyklopädie”, (19. Ausgabe von 1988, Bd. 6, Seite 639) wurden erstmals die Gefolgsleute von Karl Martell, des Siegers von Tours und Poitiers im Jahr 732 n. Chr. in der Schlacht gegen die Araber, als “Europäer” bezeichnet.

Das Frühmittelalter war vom Auseinanderleben Europas in zwei unterschiedliche Kulturkreise gekennzeichnet: Rom und Byzanz. Im Hochmittelalter war der lateinische Westen, für den als Synonym sich der Begriff “Abendland” bildete, durch Wellen des Aufbruchs und der Expansion gekennzeichnet, wodurch sich die Unterschiede zwischen den beiden Tei­len Europas vertieften.

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Abb. 4: Eine frühe und noch sehr spekulative Karte Europas auf einer spanischen Marke von 1971 (Mi 1903), auf der Pilgerrouten aus dem Jahr 1529 dargestellt sind. Diese Europadarstellung kann bereits, vor allem wegen der bis nach Skandi­navien reichenden Pilgerrouten, als Symbol eines durch den christlichen Glauben charakterisierten größeren Kulturraumes aufgefaßt werden

Im Spätmittelalter brach das bis dahin sich stürmisch entwickelnde westliche Europa in krisenhaften Ereignissen zusammen und löste sich in zersplitterte kleine Einheiten auf, die in regionalen Partikularismus verfielen. Nach einigen Jahrhunderten, als Hö­hepunkt dieser Krise, brachte diese Entwicklung die militanten Nationalstaaten mit ihren kolonialen Unternehmungen hervor. Ein heute noch in Europa bestehendes anachronistisches Überbleibsel dieser Kolonialepoche ist Gibraltar (siehe hierzu detaillierter: Volker F. Woesner “Gibraltar - die letzte europäische Kolonie”, im Rundschreiben 99 der Arge “Landkarten...”, Nr. 1/2000, S. 27).

Wie der Suez-Kanal hatte Gibraltar zur Sicherung der Mittelmeerdurchfahrt für die Seemacht Großbritannien eine Schlüsselrolle in der Kolonialpolitik.

Es ist hier jedoch nicht der Raum, die seit dem Spätmittelalter krisenhaft einsetzenden vielfältigen Entwicklungen auf dem europäischen Kontinent im Einzelnen nachzuzeichnen. Über viele Jahrhunderte stellten die sich herausbildenden Nationalstaa­ten mit ihren Anmaßungen und kriegerischen Auseinandersetzungen das größte Hindernis gegen eine europäische Einigung dar, obwohl die Idee einer solchen Einigung immer wieder formuliert worden ist.

 

3. Europa-Ideen, Abkehr vom nationalstaatlichen Chauvinismus und Bewußtsein einer Wertegemeinschaft ... Artikel über die Entdeckung Europas durch die Europäer weiter lesen

 

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aktualisiert am: 17.02.2015