Briefmarkensammlerverein Berliner Bär e.V. in Berlin
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Nicolas F. Seebeck und die Geschichte der Seebeck-Ausgaben

 
 
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Kennen Sie die Seebeck-Ausgaben?

Seebeck Ausgabe

> Seebeck Ausgabe - Bild in Originalgröße

 

Nein, es handelt sich hier nicht um die peinliche Verwechslung des Seebades Ahlbeck mit irgendwelchen nebensächlichen Philateliespezialitäten, sondern um eine Reihe von Ausgaben, die zu ihrer Zeit sehr großes Aufsehen und vor allem die schon recht zahlreichen Sammler erregten.

Seebeck Ausgaben als Massenware?

Angeblich findet man sie noch heute „als reine Massenware in nahezu jeder Sammlung“. Wer etwas genauer hinsieht wird aber bald feststellen müssen, dass diese Behauptung ziemlicher Unsinn, fast könnte man sagen „gelogen“ ist. Sie passt damit gut in die recht unübersichtliche Geschichte der Seebeck-Ausgaben, denn selbst das sonst so gerühmte Internet wird bei diesem Thema völlig sprachlos. Die Quellenlage ist also dürftig. Aber der Reihe nach:

Seebeck - Direktor der Hamilton Bank Note Engraving Company

Nicolas F. Seebeck, schreibt Ullrich Häger in seinem Großen Lexikon der Philatelie, stieg „durch Tüchtigkeit, Schlauheit und Intelligenz zum Direktor der Hamilton Bank Note Engraving Company in New York auf“.

Sie merken es an der süffisanten Wortwahl gleich: Erstens kann Häger Seebeck nicht leiden und zweitens so einer kann nur Deutscher sein. Beides ist richtig. Nur die dritte Bemerkung trifft ganz offenbar nicht zu. Seebeck hat sich durch seine zahlreichen Marken kein ewiges Denkmal setzen können, denn so recht bekannt ist er heute nicht mehr.

Seebeck - die Idee

Worin bestand nun Seebeck´s Idee, die anlässlich ihrer Verwirklichung Scharen von Sammlern auf die Barrikaden trieb? Es war, wie alle pfiffigen Vorhaben, eigentlich ganz einfach.

Die mittelamerikanischen Länder Ecuador, Honduras, Nicaragua und Salvador befanden sich schon Ende des 19. Jahrhunderts in ständigen Finanznöten, und Seebeck war bereit, ihnen etwas zu schenken. Briefmarken nämlich, die samt und sonders kostenlos geliefert werden sollten, im Unterschied zu den heutigen Entwicklungshilfen stand die Gegenleistung aber gleich im Vertrag mit drin.

Alle Marken sollten nur für ein Jahr gültig bleiben und danach durch ein weiteres Markengeschenk ersetzt werden, die übrig gebliebenen Marken waren zurückzugeben, damit Seebeck sie dem aufblühenden Sammlermarkt zur Verfügung stellen konnte, sprich: Die Kosten und einiges mehr sollten durch den Verkauf der Marken an die Sammler wieder hereingeholt werden.

Außerdem mussten die Druckplatten nicht, wie seinerzeit oft noch üblich, vernichtet werden und auch Neuauflagen durfte man unbegrenzt unter die Sammler verteilen. Kein Wunder, dass besonders letztere in einem unartikulierten Aufschrei sich zusammenfanden.

 

Seebeck Briefmarken

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typische Seebeck-Ausgaben

Natürlich interessierte das die Hamilton Bank Note Company wenig, sie wollte ja ihr Schäfchen in’s Trockene bringen, was denn auch prompt zu Nachauflagen, zur Verwendung von Wasserzeichen (oder auch nicht!), zum Einsatz anderer Papiersorten und Anrühren frischer Farben führte.

Und weil alles das natürlich auch für die entsprechenden Dienst- und Portomarken galt, zudem Ganzsachenumschläge, -streifbänder und -karten gefertigt werden mussten, kann man sich den Betrieb in New York ganz gut vorstellen. Direktor Seebeck dürfte nicht wenig stolz auf seine Erfindung gewesen sein.

Seebeck-Ganzsachenumschlag Ecuador von 1887

Seebeck - Ganzsache

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Seebeck-Ganzsachenumschlag El Salvador von 1896

Seebeck - Ganzsache

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Seebeck - Ganzsachenkarte El Salvador von 1892

Seebeck - Ganzsachenkarte El Salvador von 1892

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Lange hielt dieses Hochgefühl des Sieges aber nicht an, denn die weltweite Sammlerschaft scheint den Protest wirksam gebündelt und irgendwie an die richtige Stelle gebracht zu haben, wahrscheinlich an den Weltpostverein, dessen Macht damals noch groß genug war, zum Beispiel die vorgeschriebene Farbgebung der Standardmarken für Inlands- und Auslandssendungen durchzusetzen, oder auch den Aufdruck des Erscheinungsjahres auf den Marken zu verlangen. Jedenfalls bröckelte der Reiz des Geldes ab, die beteiligten Länder knickten ein.

Ecuador - die erste Seebeck Ausgabe

Den Anfang machte Ecuador, das wohl auch zu Beginn der Aktion die meisten Hemmungen hatte. Seine erste Seebeck-Ausgabe stammt erst von 1892, zwei Jahre nach den anderen beteiligten Ländern, und schon nach vier Jahren wurde der 10-Jahres-Vertrag gekündigt, was offenbar doch möglich gewesen ist, denn von irgendwelchen Zwangsmaßnahmen ist nicht die Rede.

Die offenbar erheblichen Restbestände wurden dann auch nicht mehr zurückgegeben, sondern ab 1897 mit diversen Überdrucken versehen unter die Leute gebracht.

 

Seebeck - Briefmarken

> Seebeck Briefmarken - Bilder in Originalgröße

 

Seebeck - Ganzsachenkarte aus Ecuador von 1894

Seebeck - Ganzsachenkarte aus Ecuador von 1894

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Seebeck Ausgabe Honduras

Als nächstes Land strich Honduras die Segel, das zwar schon 1895 die letzte Seebeck-Ausgabe an die Schalter brachte, aber seit 1890 dabei war und also insgesamt fünf Jahre die Sammlerherzen erfreut hatte.

Seebeck - Briefmarken

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Seebeck - Nicaragua und Salvador

Als robust erwiesen sich nur die Länder Nicaragua und Salvador, beide hielten jeweils von 1890 bis 1898 durch, wobei unklar bleiben muss, ob hier vielleicht der Druck der Hamilton Bank Note Company nicht doch größer war, als bei den anderen Teilnehmerstaaten.

Insbesondere Nicaragua hat eine derartige Fülle von Ausgaben unter der Regie unseres wackeren Nicolaus F. herausgeben lassen, dass möglicherweise das dahinter stehende Geschäft zu groß war, um es einfach so ausfallen zu lassen.

Beide Länder haben daneben durchaus auch „Besonderes“ zu bieten. In Salvador sind 1893 und 1894 die einzigen als solche wirklich zu erkennenden Sondermarken im Rahmen der Seebeck-Erzeugnisse verbreitet worden, während sich Nicaragua dadurch hervortut, noch jahrelang Seebeck-Marken mit Überdrucken zu versehen und auf diese Weise selber etwas am Geldhahn zu drehen, schließlich sei nicht vergessen, dass ursprünglich alle Marken nach einem Jahr außer Kurs zu setzen und zurückzugeben waren.

Seebeck und der heutige Sammler

Was hat nun der heutige Sammler mit diesem ganzen dubiosen Geschäft zu tun? Zunächst natürlich das Übliche, denn alles, was im Augenblick der Ausgabe besonders heftig angefeindet wird, ist schon kurz danach durchaus nicht mehr häufig, sondern wird zur gesuchten Rarität.

Das lief bei unserem Thema nicht anders. Niemand hatte offenbar daran gedacht, dass Marken mit einjähriger Laufzeit in Ländern ohne nennenswerte Alphabetisierung nahezu zwangsläufig kaum benutzt werden würden, mithin auf Briefen selten sind. Genau das ist aber so passiert, alle Seebeck-Ausgaben sind auf Briefen oder Karten nur selten auf dem Markt, selbst zerrupfte und fleckige Exemplare werden kaum unter 50 Euro angeboten, in sehenswertem Zustand vervielfacht sich der Preis augenblicklich.

Weiteres zum Thema Seebeck siehe auch Artikel:

zum Artikel: Seebeck - Held oder Gauner Seebeck – Held oder Gauner ?

 

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Seebeck

 

Seebeck - Briefmarken

 

Seebeck - Ganzsache

 

Seebeck - Ganzsache

 

Seebeck - Ganzsachenkarte El Salvador von 1892

 

Seebeck - Briefmarken

 

Seebeck - Ganzsachenkarte aus Ecuador von 1894

 

Seebeck - Briefmarken

 

 
www.briefmarkenverein-berliner-baer.de
 

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aktualisiert am: 17.02.2015