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Die Postfreistempel in der Inflationszeit

 
 
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aus der Bärenpost Nr. 308 vom Juli 2019

von Franz-Josef Pütz, AIJP (WIKIPEDIA Stichwort "Freistempel", 11.07.2019)

 

Der auf der Titelseite gezeigte Beleg hat auch eine Rückseite, die für die Präsentationstechnik der damaligen Zeit äußerst aussagekräftig ist. Der Text spricht für sich selbst, und so möchte ich Ihnen diesen nicht vorenthalten

Bild BP 308/Seite 10

 

Philatelistisch ist natürlich der außergewöhnliche Postfreistempel zu beachten. Er ist nur einer von vielen Typen, die in der Inflationszeit bei der Reichspost zum Einsatz kamen.

Zu diesem Thema gibt es eine interessante Publikation von K. Topf "Die Deutschen Maschinen-Postfreistempel 1903 - 1923", Band 14 der Infla-Bücherei. Hier möchte ich mich auf den Text von WIKIPEDIA beziehen.

Dort heißt es, dass die Bayerische Postverwaltung 1910 in acht Postämtern Freistempelmaschinen der Firma Sylbe eingesetzt habe. Damit sei über die gesamte Brief- oder Kartenseite ein Stempel gedruckt worden, bei dem sich Tagesstempel und ein Einkreisstempel mit der Inschrift "(Wert) Pf/FRANCO/BEZAHLT", jeweils verbunden durch vier waagerechte Linien, abwechselten. Ihrem Aussehen entsprechend wurden diese Stempel auch als "Bandstempel" bezeichnet.

Anfänglich wurde grüne, später dann schwarze oder rote Stempelfarbe verwendet. Erst Ende 1920 führte auch die Deutsche Reichspost ähnliche Stempelmaschinen ein, Versuchsstempelungen damit nahmen die Postämter Berlin 2 und Berlin 11 seit Ende 1919 vor. Maßgeblichen Einfluss auf diese Entscheidung der Reichspost hatte sicher die 1920 durch den VII. Weltpostkongress mit Wirkung vom 1. Januar 1922 erfolgte Zulassung von Freistempeln im internationalen Postverkehr.

Bild BP 308/Seite 11

Postfreistempel von 1921 mit Wertstempel (Ziermuster), schwarze Farbe

Von 1920 bis 1922 gelangten bei der Deutschen Reichspost Postfreistempel zum Einsatz, bei denen für jede Wertstufe eine besondere Zeichnung (Ziermuster) ver-wendet wurde. Zwei Gruppen können unterschieden werden. Die erste Gruppe umfasst die Stempel für den Inlandsverkehr. Der Abdruck erfolgte anfänglich noch in schwarzer, später in roter Farbe. Die zweite Gruppe - hier enthielt das jeweilige Ziermuster neben der Wertangabe noch die Inschrift Deutsches Reich - konnte auch für den Auslandspostverkehr genutzt werden. Die Stempel der zweiten Gruppe kamen, entsprechend der Festlegungen von Madrid, erst ab nach dem 1. Januar 1922 zum Einsatz und wurden in roter Farbe abgedruckt. Bei beiden Gruppen befand sich links neben dem Wertstempel in Ziermusterform der jeweilige Tagesstempel.

Im Kontext der voranschreitenden Inflation wurde es immer schwieriger, die Post-ämter rechtzeitig mit den erforderlichen neuen Wertstempelmustern zu versorgen. Ab Mitte Dezember 1922 wurde der Einsatz von Stempeln mit verschiedenen Ziermustern gänzlich beendet.

Bild BP 308/Seite 12

Postfreistempel mit Wertstempelmuster Achteck in roter Farbe

Ein bereits ab Oktober 1922 verwendetes Muster mit Wertangabe im länglichen Achteck und Angabe der Postanstalt blieb allerdings weiterhin im Gebrauch. Die Portostufe, sie findet sich sowohl mit als auch ohne Währungsangabe, konnte je nach Bedarf eingesetzt werden. Postfreistempel in vergleichbarer Form finden sich auch noch in den unmittelbaren Nachkriegsjahren und später bei der Deutschen Post der DDD und der Deutschen Bundespost.

Mit der Einführung der zentralen Briefbearbeitung in Briefzentren ab 1993 verlor diese traditionelle Form des Postfreistempels jedoch an Bedeutung. In der Folgezeit wurden zunehmend Stempel mit der Inschrift "Briefregion" bzw. "Briefzentrum" im Tagesstempel und einem Wertstempel ähnlich dem der Absenderfreistempel eingesetzt, wobei sich bis zum Ende des Jahrzehnts eine bemerkenswerte Stempelvielfalt herausbildet.

Dieser Beliebigkeit wird ab 1. Januar 1999 (ursprünglicher Starttermin des Pilotversuches war der 1. Oktober 1998, Frühverwendungen sind möglich) durch den "Frankier Service" der Deutschen Post AG ein Ende gesetzt. Damit verbunden war ein neuer Stempelabdruck in der Farbe Schwarz, der rechts den Tagesstempel des jeweiligen Briefzentrums, links daneben einen rechteckigen "Wertstempel" mit stilisiertem Posthorn, der die Bezeichnung Deutsche Post und zweizeiliger Inschrift FRANKIER/SERVICE zeigte. Auch die umgekehrte Anordnung mit Wertstempel rechts ist zu finden, ebenso Stempelabdrucke mit zusätzlicher, links angeordneter Posteigenwerbung ("Mit dem / Frankier / Service / gewinnen Sie / Zeit und Geld") oder der Firmenangabe von Großkunden der Post. Eine konkrete Wertangabe fehlt, womit die Stempelklischees auch nach der Währungsumstellung auf EURO im Jahr 2002 problemlos weiter verwendet werden konnten. Ein Stempel mit dem zusätzli-chen Text "Entgelt bezahlt" im unteren Bereich des Wertstempelrechtecks wurde bei der Freimachung von Infopost verwendet.

Sie sehen, dass die abgebildete Karte vielerlei interessante Informationen birgt. Und es wäre sicherlich unterhaltsam, auch noch die technischen Einzelheiten des "Pestalozzi-Schulkinos" näher unter die Lupe zu nehmen. Und da die Vertriebsfirma ihren Sitz auch noch in meiner Wohnungsnähe hatte, könnte man darüber hinaus auch noch ihren Sitz in der "Markgrafenstraße 18" durch die Wirren der Zeit verfolgen. Ja, ja die "Markgrafenstrasse"; nicht "10" und nicht in Zehlendorf.

Franz-Josef Pütz, AIJP (WIKIPEDIA Stichwort "Freistempel", 11.07.2019)

 

 

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aktualisiert am: 09.03.2020