Briefmarkensammlerverein Berliner Bär e.V. in Berlin
BSV BERLINER BÄR e.V.
Briefmarkensammlerverein Berlin-Tempelhof
Luftbrücke Berlin 1948 - 1949

Das Schicksal eines ganz normalen Postamtes in Deutschland

 
 
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 W. Hain/Manfred Liebreich

Eigentlich sollte das kein Lebenslauf eines Berliner Postamtes werden, aber indirekt ist es doch einer geworden. Über 175 Jahre hat das Postamt Berlin W 8 bestanden!

Ab 1. Dezember 1827 wurde im Hofpostamt die Berliner Stadtpost eingerichtet, mit der Aufgabe, die über 61 durch Privatleute geführten Revier-Briefsammelstellen, die in 45 Bezirken eingeteilt waren, zu koordinieren. Wenn diese so genannten Stadtbriefe innerhalb des eigenen Stadtbezirkes blieben, konnten diese durch eigene Postboten bis zu fünfmal selbst zugestellt werden.

Bild1 BP 294/Seite 18

Durch die Gründung einer Oberpostdirektion in der Residenzstadt am 1. Januar 1850 wurden die in privatem Besitz befindlichen Stadtpost-Sammelstellen aufgehoben. Die Stadt-Post-Expedition No̱ VIII befand sich ab dem 1. Mai 1851 in der Mohrenstrase 23.
Ab ca.1859 erfolgte der Umzug in die Charlottenstrase Nr. 60 und ist ab dem 1. August 1862 in eine Post-Expedition No̱ 8 umbenannt worden, wobei gleichzeitig die römischen Zahlen durch arabische ersetzt wurden.

Bereits ca. 1863 etablierte man die Post-Expedition No̱ 8 in der Taubenstrase Nr. 42, der eine erneute Verlegung ab 1873 in die Taubenstrase Nr. 17 folgte. Zwei Jahre später, also 1875, wurde erneut in die Taubenstrase 8-9 umgezogen. (Es gibt unterschiedliche Quellenangaben betreffs der Jahresdaten.)

Ab 1. Januar 1872 erfolgte die Umwandlung der Post-Expedition No̱ 8 in ein reguläres Postamt. Durch Verfügung des General-Postamtes zur verbesserten Postzustellung wurden ab 1. September 1873 neun Bezirke geschaffen, die sich nach Himmelsrichtungen orientierten und entsprechend waren neue Poststempel zu beschaffen.

Ab dem 1. Januar 1872 erhielt das Postamt die Bezeichnung Postamt Berlin W 8.
Am 27. Marz 1910 zog das Postamt Berlin W 8 in den Postneubau Französische Strase 9-12 ein. Am 1. April 1910 wurden noch die Diensträume in der Jägerstrase 67-68 weiterhin genutzt. Nach dem verheerenden 2. Weltkrieg war das Gebäude des Postamtes stark beschädigt. Noch im Mai 1945 begannen die Aufräumarbeiten.

Ab 1948 befand sich in der Französischen Strasse 9-12 die Verkaufsstelle fur Sammlermarken der Deutschen Post. Konsequenterweise wurde auch die Versandstelle fur Ausgaben der Deutschen Post und später der DDR im Hause untergebracht.

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Im Vorraum des Postamtes war rechts eine kleine Öffnung, die mit einer verschiebbaren Holztafel verschlossen war. Über Klingel oder Klopfen wurde geöffnet und die Sammler erhielten die gewünschten Stempelabschläge der aktuellen Sonderstempel der Deutschen Post.

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Als Versandstelle war diese auch zugleich für die Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen zuständig bis Dezember 1964. Ab dem 1. Januar 1965 wurde die Versandstelle ausgegliedert und dem Zentralamt für Werbung (ZAW) unterstellt.

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Um den Schalterdienst zu entlasten, wurden Selbstbedienungs-Automaten u. a. auch für Einschreibsendungen aufgestellt. Zwei Geräte, die für 50 Pfennig Gebühr eine zweiteilige “Einschreibmarke“ (keine offizielle Bezeichnung) auswarf. Diese “EMa“ waren standortgebunden und wurden seit April 1968 verkauft. Es gab minimal ca. sieben unterschiedliche Auflagen von diesem PA 8, wobei die beiden abgebildeten “EMa“ zwischen April und August 1988 verausgabt wurden.

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Ab dem 1. Januar 1965 wurden in der DDR die Postleitzahlen eingeführt. Das Postamt Berlin W 8 bekam die Bezeichnung 1080 Berlin 8.

Nach der Einheit Deutschlands und der Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen am 1. Juli 1993 lautete die Bezeichnung 10117 Berlin 8.
Im Rahmen der Umsetzung des am 1. Juli 1989 in Kraft getretenen Poststrukturgesetzes wurden die posteigenen Gebäude verkauft. Aus diesem Grund musste das Postamt Berlin 8 im Jahre 1995 vorübergehend in einem Container, der gegenüber dem Postgebäude stand, in der Französischen Straße 62 untergebracht werden.
Am 15. August 1997 erfolgte in der Jägerstraße Nr. 67-69 die Eröffnung als Filiale der Deutschen Post 10117 Berlin 8. Der letzte Tag vor der Aufhebung dieser Postfiliale war der 24. Juli 2004.

Zwei Tage später wurde in der Friedrichstraße 69 im Quartier 205 am 26. Juli 2004 das Postbank Finanzcenter 10117 Berlin 8 eröffnet. Mit der Etablierung von 6 Philatelie-
Shops in Berlin
erhielt auch Berlin 8 einen Philatelie-Shop, der vermutlich am 19. November 2007 in Betrieb genommen wurde.

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Bild 7 BP 294/Seite 21Bild: Postbank Finanzcenter 10117 Berlin 8 in der Friedrichstraße 69 im Quartier 205.

Pressemeldungen im Juni 2015 kündigten bereits an, dass das Postbank Finanzcenter 10117 Berlin 8 aufgehoben werden würde.

Der Philatelie-Shop wurde bereits am 16. Juni 2015 geschlossen. Am Samstag, dem 25. Juli 2015, war das endgültige Aus für das Postbank Finanzcenter. An diesem Tage setzte die Post letztmalig den Tagesstempel mit dem Unterscheidungsbuchstaben „d“ ein.

Am 25. Juli 2015 besuchte ich den Philatelie-Shop, um das nachstehende Einschreiben aufzugeben und dabei den Tagesstempel mit Unterscheidungsbuchstaben d zu bekommen. Leider war die Mitarbeiterin des Shops superschnell und hat das R-Barcodelabel einschl. Porto schon ausgedruckt, bevor ich meinen Wunsch zum Ausdruck bringen konnte, dass der Brief mit einer Briefmarke und dem Tagesstempel mit UB d abgestempelt wird. Eine zusätzliche Abstempelung des Briefes wurde abgelehnt, sodass mir der Stempel mit UB d fehlt.

Nachdem feststand, dass der Philatelie-Shop in der Friedrichstr. 69 geschlossen wird, wurde in aller Eile ein Privatunternehmen gesucht, welches bereit war, die Postdienste zu übernehmen.

Am 22. Juli 2015 eröffnete in der Behrenstraße Nr. 29 eine Partnerfiliale der Deutschen Post AG unter dem Namen “La Maison“. Inhaber ist Herr Renè Nimz.

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Bild 9 BP 294/Seite 22Bild: Einschreiben vom Letzttag des Postbank Finanzcenters 10117 Berlin 8 in der Friedrichstraße 69 einschl. den dazu gehörigen Quittungen.

Da kein neuer Tagesstempel zur Verfügung stand, wurde der namenlose Stempel ohne Postamtsbezeichnung mit der PLZ 10557, Unterscheidungsbuchstabe „zl“ eingesetzt.
Dieser Tagesstempel war bereits vom 05.02.2014 bis 17.02.2014 im „Lehrter Shop“ des Herrn Kasim Özer im Einsatz. Der Einsatzort war damals 10557 Berlin 618, Lehrter Str.1, in einem Bäckerladen. Hier stimmte wenigstens die Postleitzahl.

Bild 11 BP 294/Seite 22Bild: Der linke Stempel mit UB zl gehört nicht zu dem abgebildeten Brief, sondern ist
zur Komplettierung des vorherigen Sachverhalts eingesetzt worden.

Am 3. August 2015 erhielt die Partnerfiliale einen neuen Tagesstempel 10117 BERLIN 8, Unterscheidungsbuchstabe „ p“.

Bild 11 BP 294/Seite 22Bild: Partnerfiliale in der Behrenstraße Nr. 29

 

 

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