Briefmarkensammlerverein Berliner Bär e.V. in Berlin
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Lakatoi Papua Neu Guinea - Briefmarken Ganzsachen Stempel

 
 
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Lakatois und kein Ende

Die Idee ist bestechend:

Man bindet vier Autos zusammen, es dürfen auch sechs sein, schnürt eine Plattform oben drauf und fertig ist der Lastkraftwagen. Die Ladefläche wird vollgeknallt und, als Beispiel, in die Ukraine gefahren, wo alle Waren verkauft oder gegen Kartoffeln eingetauscht werden. Die stolzen Besitzer teilen, wenn sie es schaffen, mit dem windigen Gefährt unbehelligt zurück zu kommen, Kartoffeln und Geld unter sich auf, lösen die Schnüre und jeder fährt in seiner Karre ganz privat nach Hause in die eigenen vier Wände.

Toll, geht nur leider mit dem deutschen TÜV nicht.

 

Lakatois auf Neuguinea

Allerdings sind wir gar nicht mehr hier, sondern in der Gegend rund um die größte Insel der Welt, Neuguinea nämlich, und da hat unser TÜV nichts zu sagen. Natürlich gibt es dort auch keine ordentlich breiten Straßen, aber dafür jede Menge Wasser, und was bindet man also dort zusammen? Richtig: Boote! Statt eines Tanks klemmt man einen Mast oben auf die Plattform und los geht’s mit dem "LAKATOI", wie diese Konstruktion dort unten heißt.

 

Lakatois mit Segel in Form einer Krebsschere

Damit sind wir beim Thema, was heute mal ungewöhnlich schnell ging. Die großen Segel mit ihrer markanten Form einer Krebsschere bestehen aus Flechtwerk und Blättern des Sagobaumes, dessen stärkehaltiges Mark der Verfasser als Zutat in seiner Roten Grütze kennt.

Traditionell wurden Lakatois von den Motu-Leuten um die heutige Hauptstadt Port Moresby herum für ihre Handelsfahrten verwendet, wobei Größen bis zu 25 m Breite und Länge erreicht werden konnten, Handels-LKW für Wasserstraßen also.

Selbst den seeerfahrenen Briten muß es beim Erwerb ihrer dortigen Kolonie zunächst die Sprache verschlagen haben, denn eben wollte man noch nach einer fetten schwimmenden Prise greifen, da war sie schon wieder weg und nur ein paar kleine Einbäume fegten um die nächste Ecke.

Her Majesty was not amused! Aber weil sie zusätzlich noch Sportsgeist besaßen, war wohl auch ein wenig Hochachtung zu spüren, genug jedenfalls, um dieses typische Gefährt gleich mal auf die ersten Briefmarken des neuen Besitztums zu setzen, was insofern mehr als ungewöhnlich ist, als dieser Platz doch sonst immer der Königin Victoria vorbehalten blieb. Und jetzt ein Boot! Unerklärlich.

Die erste Lakatoi-Ausgabe von 1901 mit dem gut erkennbaren Krebsscherensegel

Lakatoi mit Krebsscherensegel

Die erste Lakatoi-Ausgabe von 1901 mit dem gut erkennbaren "Krebsscherensegel".

Sie (die Briten) müssen es (das Boot) sehr gemocht haben, denn eigentlich hatten sie ja ganz andere Interessen (Kopra, Mangan, Kohle, Bauxit, Gold, Mahagoni), doch zum Ausgleich kam dafür wenigstens dieses heimische Erzeugnis zu Ehren, das Schiff nämlich, konnte bei einem seefahrenden Volk ja auch gar nicht anders sein, und weil sich weder Inseln noch Meere um Politik kümmern, blieben Inseln auch Inseln und Schiffe auch Schiffe, was heißt:

Das erste Markenbild bleibt uns jetzt für viele Jahrzehnte im Grunde unverändert erhalten. Ein recht seltener Fall in der Philatelie. Freude liegt aber mehr in der Abwechslung (falls Sie wissen, was ich meine), und so ist es auch interessant zu betrachten, was man aus dem ewig gleichen Motiv machte.

Es war ebenso erstaunlich wie der ausgewählte Schiffstyp.

1. Lakatoi-Ausgabe als Ortsganzsache, innerhalb von Port Moresby gelaufen

1. Lakatoi-Ausgabe als Ortsganzsache, innerhalb von Port Moresby gelaufen

 

Die erste Ausgabe kommt 1901 noch hübsch anzusehen aber unsensationell daher, wenn man von dem sehr seltenen Höchstwert des Satzes absieht, aber nach fünf Jahren Herumnörgelns machen ihr dann politische Probleme den Garaus, denn Papua will endlich auch auf seinen Marken die gebotene Selbständigkeit erkennen.

Briefmarken - links Aufdruck von 1906 aus Port Moresby - rechts Aufdruck von 1907 aus Brisbane

Man ahnt es mehr als man es sieht:

zwei unterschiedliche Aufdruckgrößen,
links der Aufdruck von 1906 aus Port Moresby,
rechts der Aufdruck von 1907 aus Brisbane.
(Australien)

 

Das war einfach zu erreichen mit einem kleinen Aufdruck "Papua", wobei klein wörtlich zu nehmen war, denn es gab den Aufdruck wegen einer unumgänglich gewordenen Arbeitsteilung (wir sind immer noch im tiefsten Dschungel!) später auch in geringfügig kleineren Aufdrucktypen, was die Anforderungen an uns Philatelisten schon mal gleich verdoppelt.

 

Papiersorten und Zähnungsvariatianten

Außerdem, wie üblich wenn es etwas weiter weg ist, kommen mehrere Papiersorten und Zähnungsvarianten ins Spiel, was zu weiterer Auffächerung des Spezialistentums und zur Entstehung richtiger Raritäten führt.

 

Der Fälscher Sperati

Wo solche sind, tummeln sich auch Fälscher, und der bekannteste dieser Spezies, Altmeister Sperati, nahm sich auch prompt einer der Marken an.

Er kratzte den farbigen Rand einer 1 Penny ab und umdruckte den Rest des Originals einfach mit der neuen (und viel selteneren) Wertangabe 2 Shiling/Sixpence, fertigte noch schnell ein entsprechendes Prüfattest und hatte eine weitere Seltenheit zum Verkauf parat.

Das Herumkratzen war aber doch eine schwierige Sache, jedenfalls hat er wohl nur ein Stück davon hergestellt, und die kostet heute ein Vielfaches der Originalmarke. Sie sind schon ein drolliges Völkchen, diese Philatelisten.

 

Briefmarke Papua

Die nächste Ausgabe durfte dann den neuen Namen "Papua" direkt im Titel führen, was aber auch nicht so ganz einfach war, denn gleich die ersten Marken zeigen wieder die bekannte Schwierigkeit wie sie schon die Aufdrucke hatten:

Sie tragen das Wort "Papua" in zwei unterschiedlich großen Schrifttypen, und wie bei den Provisorien muß man schon gut hinsehen, damit keine falsche Zuordnung passiert.

Lakatoi Papua 2 Briefmarken gebraucht gestempelt

Nur für gute Augen:
links der "kleinere" Name, rechts der etwas "größere",
beide sind in Melbourne hergestellt.

Die unterschiedliche Markengröße ist ein Zufall.

 

Briefmarke Lakatoi - einfarbig 1911 bis zweifarbig 1916

Lakatois

einfarbig 1911 bis zweifarbig 1916

Vermutlich in einem Anfall von Überdruß erschien die dritte Form der "Lakatois", wie sie jetzt schon genannt wurden, 1911 in einer sparsamen einfarbigen Version, die aber wohl bald als unbefriedigend empfunden wurde, denn es folgte ab 1916 erneut eine in gewohnter Zweifarbigkeit, wenn auch inzwischen wieder mal mit einem geänderten Wasserzeichen und, man merkt es an den Preisen, in offenbar größeren Mengen.

Wieso denn nun das wieder, werden Sie fragen, waren die Inseln gewachsen? Nein, die nicht, aber der Einzugsbereich hatte sich drastisch vergrößert, und das kam so:

Man schrieb den 11. September 1914 und die hundert Matrosen dachten sich alles ganz einfach: "Wir gehen da mal rein und legen den Leutchen ihren Sender um."

Allerdings trafen sie dann im dichten Gestrüpp auf eine Abordnung eben dieser Leutchen, die sofort und mit gewisser Treffsicherheit herumschossen und nur neunzig der wilden Seebären kamen heil wieder bei den Schiffen an.

Die dort noch wartenden 1.400 weiteren Militärs, allesamt Angehörige der australischen Armee, staunten nicht schlecht, wunderten sich wohl auch ein bißchen, wurden aber sogleich ausgeladen und zu neuem Sturm aufgestellt.

Es gab aber nichts mehr zu stürmen, denn diese üblen Gesellen, die sich da so überraschend gewehrt hatten waren weg, der "große Sender" gesprengt, alles Gerät kaputt oder vergraben und damit der Erste Weltkrieg schon beinahe gewonnen.

Dieses gewaltige Treffen genießt seit dem, wohl weil man so überzeugend gesiegt hatte, als "Schlacht von Bita Paka" legendären Ruf und die sechs Todesopfer, die vier Verwundeten sowie alle anderen Teilnehmer gelten als "Helden vor Gallipoli", womit gemeint ist, daß es nicht nur auf der Halbinsel am Bosporus australische Tapferkeit gegeben habe, sondern auch schon vorher, zum Beispiel auf Papua-Neuguinea und im Rahmen der Eroberung der dort gelegenen deutschen Kolonie, denn natürlich konnten nur Deutsche so gemein sein, sich im Dschungel zu verstecken und dann auch noch zu schießen.

Aber wie auch immer, man befand sich miteinander im Krieg und schon nach einer Woche war er zuende, am 17. September 1917 kapitulierte der deutsche Gouverneur.

Einem Hauptmann gelang es freilich, in die unzugänglichen Wälder zu entkommen und dort, gestützt auf loyale Einheimische, die deutsche Kolonialherrschaft über das Ende des Krieges 1918 hinaus durch das Hissen der Reichskriegsflagge in entlegenen Dörfern zu verteidigen.

Militärisch waren diese "Erfolge" allerdings ohne Belang, denn der für das deutsche Ostasiengeschwader vorgesehen leistungsstarke Sender wurde nach Coronel und den Falklands (s. BP 258) nicht mehr gebraucht, die Flotte war leider untergegangen, mit deutlich mehr als vier Toten sowie unter Einschluß des Kommandanten und seines Sohnes übrigens, weil sich die siegreichen britischen Kreuzer nicht in der Lage sahen, die im kalten Wasser herumtreibenden Überlebenden der Flagschiffs "Scharnhorst" aufzunehmen.

Für das australische Militär erwies sich dieser Einsatz allerdings bald als schwieriger als ursprünglich erwartet:

Die Verluste im offenen Kampf waren zwar gering, eines der beiden U-Boote, das die Transportflotte gegen einen möglichen Angriff des deutschen Ostasiengeschwaders verteidigen sollte, ging aber samt Besatzung durch einen Unfall verloren.

Renitente deutsche Kolonisten konnten zudem erst durch eine aufsehenerregende öffentliche Auspeitschung zur Räson gebracht werden. (Irgendwie mußte doch diesem Hunnenvolk angelsächsische Kultur nahegebracht werden).

Hinzu kamen erhebliche disziplinarische Probleme unter den eigenen Truppen. Dem Ruf des australischen Kommandeurs haben diese Dinge nicht geschadet. Im Rang eines Generalmajors fiel er bei einem Besuch der Westfront 1917 durch ein "verirrtes Geschoß", als ob sich Gewehrkugeln verlaufen könnten! Wahrscheinlich ist das australische Rauhbein einfach unvorsichtig gewesen.

 

Ganzsache - Mischfrankatur aus Marken der einfarbigen Ausgabe von 1911 bis 1915

Mischfrankatur aus Marken der einfarbigen Ausgabe von 1911 / 1915
mit den neuen "bi-colours" von 1916

 

Die Schiffchen aber "lebten" noch bis zur Ausgabe des letzten regulären Wertes im Jahre 1931 fröhlich vor sich hin, erst dann war das Reservoir der klassischen Lakatois erschöpft, denn was sollte jetzt noch fehlen?

Natürlich, Sie ahnen es schon. Es war ja bisher noch gar keine Rede von Aufdrucken auf alten Originalmarken!

Das durfte als Möglichkeit nicht ungenutzt bleiben, und so begann schon 1917 irgendwo im Lande ein munteres Druckwerk zu schnurren und brachte Überdrucke in eindrucksvollen Formen und Mengen zustande bis auch der letzte kleine Bestand an gelagerten Marken verbraucht war.

 

Lakatoi Papua - die ersten Aufdrucke von 1917

die ersten Aufdrucke von 1917

 

Lakatoi Papua - die letzten Aufdrucke von 1931

die letzten Aufdrucke von 1931

 

Das hatte man mit der Michel-Nr. 76 endlich 1931 geschafft, zwei Nachkömmlinge in schlappen Farben und neuem Wasserzeichen 1932 hat schon kaum noch einer haben wollen, weshalb sie heute deutlich teurer sind.

 

Ganzsache Lakatoi Papua - Aufdruck zu Flugpostzwecken von 1930

Aufdruck zu "Flugpostzwecken" von 1930, an einen Händler natürlich...

 

 

Damit endet hier die Geschichte der Lakatois, denn wenn das Motiv auch später noch zweimal benutzt wurde, richtig "klassisch" war das alles nicht mehr, und so gesehen ist jetzt leider der Titel falsch, es gab eben doch ein Ende...

(Abb. aus der Sammlung des Verfassers)

F. Brouwers

 

Lakatoi Papua - Dienstmarken

Ach ja, fast hätte ich es vergessen:

Dienstmarken gab es natürlich auch noch!
(O S = On her Majesties Sercice)

 

 

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aktualisiert am: 17.02.2015